K
aus Mediatoren Aktiv, der freien Wissensdatenbank
A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | XYZ | Literaturliste | Themenbereiche | Autorenliste
Klassen-Konflikte
Ein Begriff aus der Marxistischen Philosophie, der den Konflikt zwischen Besitzenden und Besitzlosen meint
kognitive Dissonanz
Intuitiv neigt ein Mensch dazu nur die Informationen aufzunehmen, die mit seinem Bild der Welt übereinstimmen. Eindrücke, die mit diesem nicht in Einklang stehen, unterdrückt er dagegen. Es handelt sich dabei auch um das menschliche Bestreben Gedanken und Überzeugungen mit den eigenen Handlungen zur Deckung zu bringen. Ein Konflikt wird selektiv wahrgenommen und andere Beurteilungen als ausgeschlossen angesehen. Die fehlende Bereitschaft den Konflikt aus der Sicht der Gegenseite oder aus einer Metaebene zu betrachten, schafft das Einigungshindernis, anders gewendet den Lösungsansatz. Dieser Effekt führt dazu, daß Aktienkäufer Verlustpositionen tendenziell zu lange halten und dadurch Verluste verstärken. Literatur: Dörner, D. (1992)
Kollegiale Fallbearbeitung
wird auch Covision oder Intervision genannt. Hierbei suchen Berufskollegen unter wechselnder Leitung nach einer Lösung für ein konkretes Problem.
Kommunikation
Kommunikation (lat. communicatio) bedeutet Mitteilung. Folgerichtig benutzen die meisten Wissenschaften das Sender-Empfänger-Modell als Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen. Für die Mediation ist der systemische Ansatz wichtig. Seine Grundaussage: Informationen werden nicht von Sender zu Empfänger 1:1 übertragen, sondern die Übermittlung ist eine Übersetzungsleistung. D.h. die Regeln, nach denen der Sender seine Botschaft formuliert und mit Bedeutung versieht, gelten nur für ihn. Der Empfänger dagegen „entpackt“ die erhaltene Information wiederum nach seinen eigenen Regel, die wiederum nur für ihn selbst gelten. So ist es eben ein Unterschied, ob der Begriff „Wurzel“ von einem Mathematiker oder von einem Zahnarzt ausgesprochen wird. Im Alltag gehen Sender und Empfänger davon aus, dass sie nach den selben Regeln kommunizieren. Wäre dies so, so wären Missverständnisse nicht möglich. In einem Konflikt konzentrieren sich die Gegner mit zunehmender Eskalation immer mehr auf ihre eigenen Regeln und die Verzerrung der Kommunikation nimmt dadurch zu. In der Mediation wird diese Kommunikationverzerrung entwirrt.
Systemtheoretisch gesehen, stellen Kommunikationsprozesse die unteilbaren Elemente sozialer Systeme dar (nicht Menschen, Gesetzesbücher oder Telefonnetze). Ein Konflikt ist aus dieser Sichtweise ein soziales System. Zu seiner Lösung muß die soziale Struktur, müssen die Regeln der Kommunikation verändert werden.
kompetitiv
Kompetitiv bedeutet konkurrierend und steht in der Mediation im Gegensatz zu kooperativ.
Kompromiß
In Gerichtsverfahren wird nicht selten als Vergleich ein Kompromiß zwischen den Parteien geschlossen. Durch gegenseitiges, mehr oder weniger freiwilliges Nachgeben der Streitenden wird der Konflikt gelöst. Gegenseitiges Verständnis und die Interessen der Beteiligten werden hierbei wenig oder gar nicht berücksichtigt. Es kommt zur Einigung, obwohl das Ziel nur teilweise erreicht wird.
Komplexität
Entscheidungssituationen, die zu Konflikten führen, sind in der Wahrnehmung der Betroffenen häufig komplex und von Unsicherheit hinsichtlich der Folgen verschiedener Handlungsmöglichkeiten gekennzeichnet. Die psychologische Forschung kennt typische Wahrnehmungs- und Handlungsmuster bei Unsicherheit, die zu einer vereinfachenden und verzerrten Problemsicht führen können (Beispiel: Attributionelle Verzerrungen) und zu reflexhaften Reaktionen, die eine Eskalation des Konfliktes wahrscheinlicher machen. Eine innere Öffnung der Konfliktbeteiligten für unterschiedliche Sichtweisen und Interessen oder für neue kreative Lösungen ist unter diesen Bedingungen kaum möglich. Ein kompetenter Mediator kann diese unproduktiven Wahrnehmungs- und Kommunikationsmuster aufbrechen, indem er für eine konstruktive Arbeitsatmosphäre und schützende Regeln sorgt. Insbesondere muß es ihm gelingen, die von den Medianden erlebte Komplexität des Konfliktes und der anstehenden Entscheidungen, durch eine klärende und zielführende Prozessführung, Strukturierung und Visualisierung zu reduzieren. Von der Komplexität des Konfliktes hängen deshalb zentrale Fragen des Verfahrensdesigns, wie Zeitbedarf, Tempo, Comediation/Berater und der Einsatz von komplexitätsreduzierenden Moderationstechniken ab. (Rolf Berker)
Literatur: Dörner, D. (1992), Luhmann, N. (1996), Fietkau, H.-J. (2000
Konflikt
in der Psychologie und den Sozialwissenschaften spricht man von einem Konflikt allgemein dann, wenn zwei Elemente gleichzeitig gegensätzlich oder unvereinbar sind. Konflikte sind Störungen, die den Handlungsablauf stören und dazu zwingen, sich der eigenen Orientierung zu vergewissern. Siehe auch Komunikation. Lit:
Konflikteskalation nach Friedrich Glasl
1. Ebene (Win-Win)
- Spannungen, Konfliktbeginn
- Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten
- Kommunikationsende
2. Ebene (Win-Lose)
- Koalitionsbildung
- moralisches Vernichtungsinteresse
- Drohung entweder oder Sanktion
- ---ab hier ist die Mediation nicht mehr aussichtsreich
3. Ebene (Lose-Lose)
- Ziel relativ größerer Schaden für den Gegner
- Zerstörungsinteresse
- und wenn wir beide vernichtet werden...
Konfliktarten
In der Fachliteratur erfolgen je nach Schule und Ansatz folgenden Einteilungen:
Appetenz-Appetenz-Konflike
Klassischer Zielkonflikt. Zwei Konfliktparteien streben zwei unterschiedliche Ziele an
Appetenz-Aversions-Konflikt
Zwei gegensätzliche Bestrebungen, auf ein Ziel zu und von einem Ziel weg, kollidieren miteinander
Aversions-Aversions-Konflikte
Unvereinbar sind zwei gleichzeitige Bestrebungen von einem Ziel weg
Bewertungs-Konflikte
Die selbe Sache wird gegensätzlich bewertet, was zu unterschiedlichen Handlungsplänen der Kontrahenten führt, die wiederum nicht vereinbar sind
Clan-Konflikte
Die Mitglieder einer Gruppe stammen aus unterschiedlichen Herkunftsgruppen mit gegensätzlichen Einstellungs- und Verhaltensnormen
Distanz-Konflikte
Unterschiedlichen Distanzbedürfnisse der Partner führen zu Distanz-Nähe-Konflikte
Entwicklungs-Konflikte
Unterschiedliche Entwicklunggeschwindigkeiten und –richtungen formen nicht miteinander kombinierbare Einstellungen, Verhaltensweisen und Ziele
Formgebunde oder formlose Konflike
Formgebundene Konflikte sind Konflikte, die nach festen Regeln ausgetragen werden, z.B. Wettkämpfe. Bei formlosen Konflikten existieren keine Austragungsregeln.
Führungs-Konflikte
Ein Konflikt in der Gruppe: für die Mitglieder existieren unterschiedliche Gruppenführer. Ein offizieller formaler und ein inoffizieller, inoffizieller Leiter, der die Verhaltensnormen und Entscheidungen der Gruppen wesentlich prägt und als Orientierungsfigur dient
Geschlechterrollen-Konflikt
Unterschiedliche Auffassungen über die Rechte, Pflichten und allgemeinen Verhaltensweisen von Frauen und Männern in einer Gesellschaft, Partnerschaft oder am Arbeitsplatz
Gruppen-Konflikte
Der Konflikt umfasst mehrere Parteien, zeugt von einer hohen unterschiedlichen Dynamik und von pluralen konfliktstabilisierenden Verhaltensmustern.
Heiße und kalte Konflikte
Heißer Konflikt oder auch heiße Phase eines Konfliktes bezeichnet die akute Auseinandersetzung. Ein kalter Konflikt oder die kalte Phase eines Konflikts meint, der Konflikt ist schwelend oder die Beteiligten sind in einer gegenseitigen Blockade gefangen, in der sie sich gegenseitig „belauern“ und auf den nächsten „Zug“ warten.
Herrschafts-Konflikte
Bei Herrschafts-Konflikten ist die Machtverteilung in Frage gestellt. Herrschafts-Konflikte sind das Ergebnis, wenn Entscheidungen gegen den Willen des Untergebenen durchgesetzt werden, auch wenn dieser sachlich im Recht ist.
Hierarchische Konflikte
Konflikte zwischen Personen auf unterschiedlichen hierarchischen Stufen
Identitäts-Konflikte
Ein typischer innerer Konflikt. Bestimmte Anforderungen an eine Person sind nicht mit deren Selbstverständnis und Selbstbild vereinbar.
Interaktions-Konflikte
Eine Störung des Machtgleichgewichts verursacht eine Zunahme an Eskalation, die sich in regelmäßigen Aktionen ausdrückt, z.B. Wettrüsten
Interpersoneller Konflikte
Im Gegensatz zu inneren Konflikte besteht hier der Konflikt zwischen mindestens zwei personen
Innere Konflikte oder intrapersonelle Konflikte
Konflikte zwischen unterschiedlichen gegensätzlichen Wünschen und Antriebe einer Person
Klassen-Konflikte
Ein Begriff aus der Marxistischen Philosophie, der den Konflikt zwischen Besitzenden und Besitzlosen meint
Konkurrenz- oder Rivalitäts-Konflikte
Streit und hierarchische Positionen
latenter Konflikt
Der Konflikt ist vorhanden, aber nicht offen ausgetragen
Norm-Konflikte
Normen mit gegensätzlichen Geltungsbereichen treffen aufeinander
Rassen-Konflikte
Unterschiedlichen Bewertung, Normierung, Abstufung verschiedener Rassen in Kategorien wie gleichwertig-ungleichwertig-minderwertig
Rollen-Konflikte
Verschiedene gegensätzliche z.B. berufliche Vorgaben und Verhaltensweisen prallen in einer Person aufeinander
Territorial-Konflikte
Typische Verteilungskonflikte. Gestritten wird über das Ausmaß des Lebens- und / oder Einflussbereiches und den daraus resultierenden Ansprüchen einzelner oder Gruppen
Trieb-Konflikte
Aus der psychoanalytischen Theorie: Verschiedene und gegensätzliche Triebe treten gleichzeitig auf. Als Reaktion sind Übersprunghandlungen zu beobachten
Verteilungs-Konflikte
Die Konfliktparteien streiten um ihren Anteil an einem knappen Gut
Wahrnehmungs-Konflikte
Der selbe Sachverhalt wird von unterschiedlichen Personen gegensätzlich wahrgenommen, z.B. schildern bei einem Banküberfall die verschiedene Zeugen das Fluchtauto einmal als blau, andere als braun.
Ziel-Konflikte
Ein angestrebtes Ziel widerspricht den gleichzeitig angestrebten zweiten Ziel.
Konfliktprävention
Konfliktprävention erfordert eine vorausschauende Sicht auf mögliche Problemfelder. Durch die vorzeitige Erkennung von Konfliktmöglichkeiten kann durch entsprechende vertragliche Gestaltungen die Konfliktlösung im Vorfeld erfolgen. Die Vertragsverhandlungen orientieren sich an den Interessen der Beteiligten und ermöglichen so eine konstruktive Vertragsgestaltung, die möglicherweise entstehenden Konflikten vorbeugt. Eine neue Form der der Konfliktprävention bei Vertragsverhandlungen ist die sogenannte Deal Mediation.
Konkurrenz- oder Rivalitäts-Konflikte
Streit und hierarchische Positionen
Konsens
Übereinstimmung; Der Konsens entsteht durch freiwilliges Verhandeln der Parteien. Die Übereinstimmung ist getragen vom gegenseitigen Verständnis und berücksichtigt die Interessen und Wünsche der Parteien. Es kommt zu einer Einigung mit der alle einverstanden sind.
Konsensbereitschaft
Eine Mediation ist nur dann möglich, wenn die Parteien den Willen haben sich zu einigen.
Konsensvertrag
Die Mediation wird mit einem schriftlichen Vertrag abgeschlossen, der von allen Beteiligten unterschrieben wird. Die vereinbarten Regelungen sind so exakt und eindeutig wie möglich zu formulieren. Der Vertragsinhalt ist verpflichtend und ermöglicht die Überprüfung, ob sich die Parteien an die getroffenen Vereinbarungen halten. Die Vereinbarungen des Vertrages legen die Parteien selbst fest. Der Mediator greift nur ein, wenn der Vertrag nicht eindeutig genug ist. Zum Schluss unterschreiben alle Teilnehmer den Vertrag- auch der Mediator.
Konsistenzfalle
"Der Fuß in der Tür". Eine Manipulationstechnik in Verhandlungen. Zunächst wird an eine Person eine kleine Bitte herangetragen, der dann später eine größere Bitte folgt. Menschen streben danach, vor sich selbst und gegenüber anderen beständig, berechenbar und logisch zu erscheinen. Haben sie einmal ein kleines Zugeständnis gemacht, fühlen sie sich auf eine Postion festgelegt und können eine größere Bitte nicht mehr ausschlagen. Für den Mediator ist es wichtig, diese Konsistenzfalle zu erkennen, da sonst falsche Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden.
Konstruktivismus
Dieser geht davon aus, dass die Wahrnehmung einer objektiven Realität nicht möglich ist, sondern, dass das Gehirn selbstreferentiell und autopoetisch eine Vorstellung von Welt konstruiert.
kontradiktorisch
bedeutet widersprüchlich bzw. falsch; vor Gericht gibt es meistens einen Sieger und einen Verlierer. Letzterer muss alle Kosten tragen. Gerichts- und Schiedsgerichtsverfahren sind so genannte kontradiktorische Verfahren. Dies bedeutet, dass der zur Entscheidung berufenen Richter den Rechtsstreit durch Urteil oder Schiedsspruch verbindlich entscheidet.Bei der Mediation lösen die Parteien ihren Konflikt selbst.
Konzessionsfalle
"Die Tür im Gesicht - Technik". Eine Manipulationstechnik in Verhandlungen, die zunächst ein so großes Zugeständnis einer Partei verlangt, dass diese nur mit Ablehnung reagieren kann. Dabei entsteht bei der Partei, auf Grund des Bedürfnisses der positiven Selbstdarstellung, der Druck, die Weigerung durch ein kleines Entgegenkommen zu kompensieren. Die Partei wird dann eine kleinere Bitte nicht mehr verweigern. Der Mediator sollte die Konzessionsfalle durchschauen können, damit am Ende der Mediation für beide Seiten zufriedenstellende Lösungen gefunden werden können.
Kreativität
ist die Fähigkeit neue und unübliche Kombinationen für bestehende und neue Aufgabenstellungen zu finden.Neues entsteht dabei dadurch, daß bei dem kreativen Prozeß vorhandenes Wissen in ungewöhnlicher Weise kombiniert wird. Aus diesem Grund wird der Prozeß häufig als unlogisch empfunden, das Ergebnis jedoch als in höchsten Maße logisch wahrgenommen. Literatur: Hurra , ein Problem!
Krisen
In der Literatur wird zwischen Lebenskrisen, psychischen Krisen, narzistischen Krisen und traumatischen Krisen unterschieden.(Everly/Michell).Im Bereich der Mediation können vor allem narzistische und traumatische Krisen von Bedeutung sein.
